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Leseprobe

aus dem Buch
Das traurige Ende des Märchenkönigs

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Auszug aus »Untersuchungen an Emigranten«:

[...] Vor lauter Frust schrieb sich Konrad bei einer Heilpraktikerschule ein. »Ich werde euch alle heilen!« drohte er uns, doch sein Versuchskaninchen war schon ausgemacht: »Du«, sagte er mir einmal, »du bist arg mißgebildet, an dir kann ich meinen neuen Orthophalographen testen.« Er machte einen großen schwarzen Koffer auf. Lauter Drähte und Schläuche schlängelten sich dort, Lämpchen und Dioden blitzten und blinkten.
»Das ist ein Universaltester!« sagte Konrad. »Das Gerät hat 4000 Mark gekostet! Es findet jede Krankheit!«
Ich mußte mich ausziehen und auf das Sofa legen. Konrad schmierte meinen Bauch und meine Brust mit Vaseline ein. Er lächelte zufrieden, seine Backen glänzten vor Fett, seine Stirn triefte vor Schweiß, das gesunde Rotweinrot seines Gesichts war so rot, daß es fast ungesund wirkte. Mit einer Malerrolle fuhr er über meinen Bauch. Der schwarze Zeiger des Geräts schoß in den roten Bereich.
»Waas?!« brüllte Konrad. »Mensch! Du hast eine große innere Verletzung! Bei dir muß ein lebenswichtiges Organ ganz kaputt sein. Hast du heute einen Unfall gehabt?«
»Nee!«
»Leute, schaut es euch an. Das gibt es nicht! Du müßtest eigentlich schon längst tot sein! … Milan, hol das handgepreßte Olivenöl aus der Küche. Jaromir stirbt!«
»Um Gottes willen! Muß ich jetzt Olivenöl trinken?«
»Was? Mein teures Öl trinken? Spinnst du? Du bekommst die letzte Ölung!« Er beschmierte mich mit Salatöl, und wir warteten auf meinen Tod.
»Sollte ich nicht ins Krankenhaus fahren?« fragte ich nach einer Viertelstunde schüchtern.
»Zu spät!« sagte er.
Doch irgendwie mußte sich das Gerät geirrt haben, ich lebte weiter. »Dein Körper ist so hin«, sagte Konrad, »daß er es nicht einmal schafft, sauber zu sterben.« Er war mächtig sauer auf mich, er knetete mit seinen Fingern meine Brust durch, auf der Suche nach bösartigen Knoten. »Da ist was«, sagte er, doch wo es war, wollte er mir nicht sagen.
Am nächsten Tag hielt er mir ein Bierglas hin. »Gib mir eine Harnprobe!«
»Wieso?« fragte ich.
»Wieso, wieso? … Vielleicht kann ich dich noch retten.«
Ich kam aus dem Badezimmer zurück, er steckte seinen Finger in die gelbe Flüssigkeit, leckte den Finger ab und sagte: »Du solltest nicht so viel Fleisch essen! …«
[...]

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